Natur pur

Donnerstag, 01.03.2007, 13:28

Zuerst erschienen auf mywoman.at: Natur pur

Die gesamte Weltjahresernte an Erdbeeren reicht gerade mal um 5% des Bedarfs an Erdbeergeschmack der USA zu bedienen.

Da fragt man sich doch, wo die vielen Erdbeeren für das Erdbeerjoghurt im Regal herkommen. Und um das Geheimnis gleich zu lösen: aus Sägespänen. „Natürliche Aromen“ nennt man die aus Holz hergestellten Stoffe, die in uns den „Erdbeergeschmackreflex“ auslösen, denn Holz ist ja Natur, und daraus gewonnene Stoffe dürfen daher als „natürlich“ bezeichnet werden.

Und weil das Kind im Bauch mit der Mutter mitisst, wird es mit jedem Fruchtjoghurt bereits vor der Geburt auf künstliche natürliche Aromen programmiert. Mit 4 sind viele Kinder nicht fähig, echte Frucht von Aroma zu unterscheiden, im Gegenteil: Im direkten Vergleich empfinden sie die Aromen als echt und die echten Früchte als falsch.

„Die schmecken ja gar nicht nach Erdbeeren.“, hören wir dann. Gut, 10 Monate im Jahr stimmt das ja auch. Erdbeeren gibt’s mittlerweile das ganze Jahr über, echten Geschmack allerdings nur im Mai und Juni, wenn die Früchte regional reif sind und keine langen Wege auf sich nehmen müssen, bis sie in unseren hungrigen Mäulern landen. Aber diese Aussage kommt auch in der Erdbeerhochsaison.

In unserer Firma wird diskutiert. Das heißt, ICH diskutiere, alle anderen sind anderer – einer (nicht meiner) – Meinung. Das Essen, das wir täglich in Wiens Schulen liefern, sei gut, ausgewogen, genau das, was die Kinder wollen und brauchen. Das sei erwiesen, denn man habe die meisten Gerichte mit Kindern ausgetestet, und die Kinder wollten nichts anderes, hätten „Neues“ verweigert.

„Mehr frisches Gemüse brauchen wir!“ kämpfe ich.
„Die Kinder mochten gerade mal 4 Gemüsesorten, Karotten, Lauch, gelbe Rüben und Tomaten. Sonst essen sie nix, da handeln wir uns nur Beschwerden ein.“
„Aber das kann doch auch an falscher Präsentation gelegen sein, wie ist denn dieser Test abgelaufen?“
Keine Antwort. Es sei, wie es sei und es sei richtig, was wir tun.

Also informiere ich mich anderswo, lese mich in die Thematik ein. Mein Bub soll schließlich einmal jedem Geschmack gegenüber offen sein. Und dann muss ich lesen, dass schon schwangerschaftsbegleitende Getränke Aromen beinhalten, die das ungeborene Kind geschmacklich auf Industrieessen vorbereiten.

Dass das Essverhalten unserer Kinder bereits im Bauch von den Ernährungsgewohnheiten der Mutter geprägt wird, dass die großen Nahrungsmittelkonzerne alles tun, um die Kinder so früh wie möglich auf ihr späteres Leben als Packerlsuppenkäufer vorzubereiten, war mir bisher nicht bewußt.

Gott sei Dank verzichtet meine Frau auf solch Brimborium. Ich koche täglich frisch mit viel Gemüse, und anscheinend bekommt es ihr und dem Baby bisher gut. Um mein Ziel, das Kind bereits jetzt auf ein kulinarisch erfülltes Leben vorzubereiten, zu erreichen, soll ich aber jetzt meine Küche noch einmal umstellen. Möglichst sortenreines Gemüse soll sie essen, damit das Kind die einzelnen Geschmäcker schon mit auf die Reise ins Leben bekommt.

„Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht!“ ist nämlich eigentlich ein durchaus sinnvoller Instinkt, der den Menschen davor bewahrt, wild drauflos alles zu essen inklusive giftiger Beeren oder anderer Unbekömmlichkeiten. Durch die Ernährung während der Schwangerschaft und der Stillzeit mit möglichst viel sortenreinem Gemüse besteht eine hohe Chance auf frühzeitiges Wiedererkennen und damit Verhindern einer Abneigung gegen bestimmte Gemüsesorten.

Auch das spätere Breichen werde ich nicht zukaufen, sondern möglichst sortenreine Pürees kochen, um die Gechmacksnerven meines Sohnes zu schulen, bzw. vor den Aromen der Konzerne zu bewahren.

Wer von Euch hat sich zu diesem Thema auch Gedanken gemacht?
Wer kann von Erfahrungen berichten?
Wie stehen Eure Kinder zum Essen? Gibt es Kinder, die manche Speisen absolut verweigern? Wie wurden diese in den ersten Lebensmonaten ernährt? Gestillt? Flaschenkinder? Brei zugefüttert? Selbst gekocht? Oder zugekauft?

Fragen über Fragen. Helft mir bitte. Und meinem Sohn. Und vielleicht dank Eurer Erfahrungen sogar den 30.000 Schülern, die wir täglich mit Essen beliefern.

Es ist schön, Vater zu werden. Es ist eine verdammt schöne Zeit!


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