Dekonstruierter Apfel

Als Koch ist man Kummer gewohnt. Stichworte: Gluten, Laktose, salzarm, linksdrehend, … . Als Vater kämpft man auch täglich mit neuem Firlefanz.

Der Große hat sich die schlimmsten Faxen („Kein Gemüse!“) einigermaßen abgewöhnt, Obst geht immer noch nicht. Gar nicht. Dabei war Apfelstrudel lange Zeit seine Lieblingsspeise, bis sie einmal im Kindergarten welchen gebacken haben, dann wusste er, da sind Äpfel drin. Seither keine Chance mehr, Apfelstrudel ist tabu.

Die Prinzessin ist da eigentlich pflegeleichter. Obst geht immer. Erdbeeren, Bananen, Melonen, Weintrauben, Äpfel, egal was, sie liebt Früchte. Schon in der Krippe nannte die Assistentin sie „Obstsauger“, hat mir diese eben erst gestanden. Und so habe ich immer Obst im Haus. Wenn nur alles so einfach wäre.

Heute fragt sie mich wie so oft: „Papa, kannst Du mir bitte den Apfel schälen?“ Klar schält Papa ihr einen Apfel. Doch als ich die Schalen schon wegwerfen wollte, meinte sie: „Lass die Schalen bitte, die esse ich auch.“

Wenn sie das nächste Mal fragt, ob ich ihr einen Apfel schälen soll, bin ich vorbereitet. Denn dann kommt sicher: „Und kannst Du mir aus einem Viertel Apfel ein Sorbet machen? Und aus einem zweiten ein Mus? Eine Spalte könntest Du eigentlich backen. Und vielleicht ein Löfferl von dem lustigen Apfelkaviar, den Du mal gemacht hast. …“
„Und die Schalen.“
„Klar, Papa, die ess ich auch.“


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