Ja wo isser denn, der Chef

Letzte Woche hat es mein Blog doch glatt in die Zeitung geschafft, und was mache ich seither? Nichts. Kein neuer Content. Verrückt. Aber ihr sollt nicht glauben, dass ich nicht an Euch denke. Tagtäglich denk ich an Euch und was ich Euch gern kochen möchte, was ich für Euch kochen möchte, was ich alles aus meinem Kühlschrank verarbeiten sollte, aber es will und will im Moment einfach nicht sein.



Zuallererst wäre da mein technisches Problem. Egal, was ich mach, derzeit funktioniert einfach nichts, wie es soll. Mein Handy hat nie genug Speicher, ich lösch und lösch, aber es wird nicht besser. Das Handy meines Sohns hat nie genug Strom, die Speicherkarte hab ich von einer Kamera in die andere gesteckt, jetzt sind alle Daten weg, die Karte war unlesbar, auf keinem Gerät. 3 Videos, die ich eh gedreht habe, sind so unvollständig, dass es keinen Sinn macht, sie hochzuladen.



Dann ist da die Geschichte mit der Zeit. Wie ein Pensionist. Irgendwie gesegnet mit ungewollter Freizeit, aber immer nur am Winken: „Ka Zeit, ka Zeit“. Vor allem aus einem Grund, ich bin jetzt quasi Lehrer. Und das ist zeitaufwendiger als mein Vollzeitjob. Unglaublich, was da an Arbeitsaufträgen reinkommt. Lehrer, die normalerweise eine oder 2 Stunden in der Klasse stehen, schicken Arbeitsaufträge, die fächerübergreifend für eine ganze Projektwoche reichen. Keine Wiederholung des gelernten Stoffs. Neuer Stoff. Ein Zweizeiler. „Erarbeitet alles über xy. Bitte macht dazu referatstaugliche Unterlagen, eine Zusammenfassung, eine Bildschirmpräsentation und ein Hand-Out“. Hamma irgendetwas davon in der Schule schon beigebracht bekommen?



Egal, es funktioniert eigentlich ganz gut, der Bub zaht an, und ich glaube, er wird um einiges besser wieder in die Schule kommen als er es vor der Krise war. Lernen lernt er gerade.

Mein kleines Springinkerl kommt mit der Isolation schlecht zurecht. Sie braucht Bewegung, frische Luft, ganz viele Kuscheleinheiten und vermisst ihre KollegInen. Sehr. Die mitgegebenen Arbeitsaufträge unterfordern sie dermaßen, dass sie vor Lustlosigkeit Stunden braucht und dann erst lauter Fehler macht. „Da ist ein Minus? Ahja! Da ist ja ein Minus! Dann ist das natürlich 18, Papa, nicht 28!“



Und dann wäre da noch mein Brot. Ja eh, alle backen jetzt Brot. Ich auch. Und backen ist nicht Kochen. Da gehört viel Erfahrung und Wissen dazu, das ich nicht habe. „Das ist Dir doch in die Wiege gelegt“, sagt meine Mutter, komme ich doch aus einer Bäckerfamilie. Jeden Sommer habe ich als Kind in der Bäckerei meiner Großeltern verbracht, bin aber natürlich erst aufgestanden, als die Hauptarbeit bereits vorbei war. und auch mein Vater war Bäcker, bevor er in den 70ern umgeschult wurde um in der Bäckerei einen der ersten Computer Österreichs zu betreiben. Doch obwohl ich gut kochen kann, Brot backen hat mir keiner beigebracht.



Also lerne ich, lese Blogs versierterer Bäcker, füttere meinen mittlerweile dritten Sauerteig und backe Brot. Obwohl ich nicht wirklich glücklich bin mit meinem Sauerteig, werden die Brote so gut, dass die Familie sie mir in kürzester Zeit wegfrisst. Was mich irgendwie mit Stolz erfüllt, aber zugleich dafür sorgt, dass mir eine wichtige Grundzutat für meine Tätigkeit nicht ausreichend zur Verfügung steht: der Hunger.



Und zuallerletzt streamt sich die Welt gerade weg und jeder liefert Content. Es ist eine kreative Zeit, man glaubt ja gar nicht, wozu die Menschen fähig sind, wenn sie nur genug Zeit haben. Und ich mitten drin. Ich hab mir kurz vor der Krise eine neue Kuchenform gekauft, die mich wirklich glücklich macht. Von der Firma gibt es viele verschiedene Formen und sie betreibt einen sehenswerten YouTube-Channel, in den ich während der letzten Tage immer wieder reingekippt bin. Man glaubt kaum, wie kompliziert man eine simple Zitronentarte aufbauen kann, aber verdammt, es ist faszinierend. Ich kann stundenlang zusehen und lernen und es macht mir imer noch Spaß, obwohl ich dann meine eigene Zitronentarte aus 5 Zutaten in 3 Minuten zusammen mische (demnächst auf dieser Plattform).

P.S.: mein wirklich sehr sympathischer Kameramann ((c) Wiener Zeitung) wollte nicht hinter der Kamera stehen, sondern selber Kuchen backen, und wer bin ich, dass ich ihm diesen Wunsch abschlagen könnte? Es hat sich jedenfalls ausgezahlt. Hat er toll gemacht!


Ein Gedanke zu “Ja wo isser denn, der Chef

Schreibe eine Antwort zu deingruenerdaumen Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s