Nein. TomCool ist kein Bankräuber.

Zuerst erschienen auf tomcool.mywoman.at am Mittwoch, 20.04.2011, 00:25

https://web.archive.org/web/20120121180217/http://tomcool.mywoman.at/stories/755875/

Aus der Serie: jeder schlechte Tag ist ein guter Tag, solange man am Ende eine gute Geschichte zu erzählen hat. 

Es war ein guter Tag. 

Also zuerst sowieso. O.C. in den Kindergarten gebracht, gemütlich gefrühstückt, dann einen Anruf bekommen, ein schneller kurzfristiger Fotoauftrag, und ab 4 in der Arbeit, die mir Spaß macht. Wenn auch unerwartet kurz.

„Besuch für Dich“ rief ein Kellner in die Küche, und ich fragte mich erfreut, wer denn da wohl draußen steht. Blick nach links, Blick nach rechts, keiner da, den ich kenn. Aber 2 Fremde zücken ihre Ausweise.
„LKA. Sie wissen eh warum wir da sind.“ 
„Öhm, also ned so wirklich, wenn sie mir bitte weiter helfen können? Worum geht’s denn?“
„Wo haben Sie denn Ihre Ferrarijacke?“
„Meine was?“
„Und das Mercedeskapperl?“
„Worum geht’s?“
„Sagen Sie mir das?“

Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass man keinen Zeugen suchte für irgendetwas, sondern dass ich beschuldigter Serienbankräuber bin. 

Die Langfassung? Irgendjemand hält mich für fähig, Banken zu überfallen und glaubte mich auf in angeblich allen Tageszeitungen veröffentlichten Bildern erkannt zu haben. 
http://www.krone.at/Wien/4.000_Euro_fuer_Hinweise_auf_Serien-Bankraeuber-Wo_ist_der_Taeter-Story-256501
http://derstandard.at/1302515949341/4000-Euro-fuer-Hinweise-auf-Wiener-Bankraeuber-ausgelobt
http://kurier.at/nachrichten/wien/2089521.php )

Die Kurzfassung: ICH war’s nicht.

No na ned war ich’s nicht, war der Kommentar der Kriminalisten. Das sind sie gewohnt. Das sagt jeder. Man wolle nur anmerken, dass ein rasches Geständnis die Richter milde stimmt. Sie wollen wirklich bei ihrer Aussage bleiben?

Einer der beiden Beamten erklärt mir schon im Lokal, dass ich nicht wie ein Unschuldiger reagiere. Ich stelle die falschen Fragen. Andererseits erklärt er mir, dass sie sowieso kaum mit Unschuldigen zu tun haben. Wenn sie mal da stehen, dann aus gutem Grund. Ich frage mich, woher dann das Wissen über die typischen Reaktionen unschuldiger kommt.

Es ist ein eigenartiges Gefühl, als Unschuldiger so zum Handkuss zu kommen. Ich landete im LKA, während O.C. anderen Kriminalbeamten die Türe öffnete, die unsere Wohnung durchsuchten. 
„Hast Du was Schlimmes gemacht?“ fragt er Frau K. „Natürlich nicht.“ 
„Hat Papi was Schlimmes gemacht?“ 
„Natürlich nicht.“

Am LKA: Fingerabdrücke, DNA-Abstrich, Fotos. 

Auf dem Weg zur Identifikationsmerkmalsaufnahmne sagt mir der Beamte, dass es Fingerabdrücke gibt. Von diesem Moment an bin ich entspannt. Ich freue mich direkt auf die Abnahme meiner Fingerabdrücke, denn ich weiß, dass sie meine Unschuld beweisen werden.

Befragung. Fotos. Niederschrift. 
„Wenn ich gefragt werde, ob ich am xx.xx.2011 die Bank xy überfallen habe und mit den Überwachungsbildern konfontiert werde, antworte ich: Das bin mit absoluter Sicherheit nicht ich.“ Der 2. Beamte glaubt mir nicht. 

Die Jungs haben ganz schön recherchiert. Anscheinend auch den ganzen mywoman-Blog gelesen. Sie wissen viel über mich. Ja, ich halte mich auch nicht zurück, nicht in Natura, nicht im Internet. Denn im Gegensatz dazu, was die Kripo glaubt, habe ich nichts zu verbergen.

3 Stunden dauert die ganze Geschichte schon. Man werde mich mindestens 48 Stunden lang hier behalten, sagt man.

Ich bin unschuldig aber nervös. Zu oft hatte die Justiz mir zuletzt nicht Recht gegeben, wo die Gerechtigkeit mir hätte Recht geben müssen. Mein Vertrauen ist – gelinde gesagt – erschüttert. Kommt es zu einem Prozess, werde ich wohl für schuldig erklärt werden, auch, wenn ich mir niemals etwas zu Schulden kommen ließ. Das Gesetz der Serie würde es so wollen. 

Die österreichische Justiz ist ehrliche Menschen so was von nicht gewohnt, dass ihnen grundsätzlich nicht geglaubt wird. Aber so was von. Man glaubt lieber dem schleimigen, im Konjunktiv sprechenden Geschäftsführerlügenmaul als dem ehrlichen Menschen mit der lauten Stimme. Glauben, aber nix wissen? Wurscht. Immer feste druff mit der Keule. Aber das ist eine andere Geschichte. Diese hier handelt letztlich von 2 Frauen. Meiner und meiner Chefin.

Meine Frau K. war nämlich keineswegs schockiert, sondern schlicht und einfach überzeugt, nein, wissend, dass ich das nicht gewesen sein kann. Ja, sie kennt mich auch gut genug, um an den schlechten Bildern der Überwachungskameras jene Deatils genau zu erkennen, die zu erkennen geben, dass ich das nicht sein kann. Schon allein aus Stilgründen. Eine Ferrarijacke und ein Mercedes-Kapperl? Aber hallo? Waren die Ferrarikapperl grad aus?

Alleine dafür gehört dem- oder derjenigen, der/die meinen Namen der Polizei übermittelt haben, eine gehörige Standpauke. Stil hat man, oder hat man nicht. Auch bei einem Überfall. 😉

Meine Frau K. jedenfalls zeigte den Beamten die ganze Wohnung, forderte sie sogar zu mehr auf, spornte sie zu Höchstleistungen an. Denn sie war sich zu Recht sicher: da können sie lang suchen.

Am LKA versuchte man noch immer mir Angst zu machen. Die Türe geht auf. Hinter mir sagt jemand: „Untersuchungshaft!“
3 Beamte kommen von ihren Ausflügen zu mir nach Haus und in die Arbeit zurück ins Büro. Ein Kuvert landet am Tisch.
„Da ist der Beweis.“
„Was für ein Beweis? Was wollen sie denn gefunden haben?“
„Den Beweis Ihrer Unschuld.“

Die zweite Frau ist meine Chefin. Sie ließ den dritten Bamten nicht gehen. Sie ließ nicht locker, bis sie genauere Daten erfuhr. Und sie suchte auf ihren Überwachungsvideos, bis sie zu einem Datum ein Video gefunden hatte, auf dem ich gerade die Lieferung ins Kühlhaus schiebe.

Danke schön. Ich habe es schon vorher gewusst und gesagt, und ich schreib es heut nieder: Du bist die beste Chefin, die ich je hatte und die ich mir vorstellen kann.

Und meiner Frau K.: Ich liebe Dich. 

Auch wenn Du meine Sachen alle weghauen willst, weil es Dir peinlich ist, dass die Polizisten bei einer Hausdurchsucheung so viel zu durchsuchen haben. *g*

Und den handelnden Beamten sei gesagt: Ihr wart’s eh in Ordnung. Pflicht getan. Was mir nicht getaugt hat, hab ich Euch eh gesagt. Ich freu mich, wenn ihr wie versprochen zu uns ins Lokal kommt. Hoffentlich habt Ihr dann auch gleich etwas zu feiern. Zum Beispiel den Fang meines stillosen Doppelgängers. Das wär dann besonders fein.


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