Erste Schwierigkeiten

Zuerst erschienen am Samstag, 21.07.2007, 16:17 auf tomcool.mywoman.at

Zum ersten Mal, seit unser kleiner O.C. auf der Welt ist, habe ich eine ganze Woche gearbeitet und CH war mit O.C. allein zu Haus. Meistens war sie auch tatsächlich zu Hause, weil die Hitze außerhalb der Wohnung noch unerträglicher ist als in der Altbauwohnung, die aber mittlerweile unter tags auch schon an die 30° erreicht.

Traurige Mails einer erschöpften jungen Mutter erreichen mich in der Firma: „Und er ist doch ein Schreikind. Sobald er munter ist, schreit er. Sobald ich ihn nicht mehr herum trage, schreit er. Am Abend beim Einschlafen schreit er. Und trinken tut er so schnell, dass er alles wieder ausspeibt, wonach er schreit.“ O.C. ist anscheinend doch ein Schreikind.

Gestern bin ich abends todmüde nach Hause gekommen. Die ganze Woche wenig Schlaf, und der wegen der Hitze alles andere als erholsam. In der Früh wache ich mit O.C.’s Schreien auf und bleibe dann gleich munter. Das ist dann so ab 5. Die Arbeit hat mich wieder voll für sich eingenommen. und so kommt es, dass mir Freitag Abend der Sinn nur mehr nach Schlafen steht.

Einzig, ich weiß, dass CH auch müde ist und irgendwie würde ich ihr doch gerne ein wenig Arbeit abnehmen. Also nehme ich den Schreihals an mich und trage ihn durch die Gegend, singe ihm etwas vor, sehr kreativ, da ich draufkomme, dass ich überhaupt keine Einschlaflieder kenne.

„Schlaf lieber Oscar,
schlaf endlich ein,
Du musst vom vielen Schreien
doch längstens müde sein.“

Irgendwann fallen seine Augen zu und die Stimme verstummt. Also lege ich ihn in sein Bettchen. Ende der Pause, das Schreien geht weiter. Ohne Mama geht nichts. Ich kann ihr nicht helfen, ich bringe den Bub nicht zum Schweigen, bin traurig ob meines Unvermögens.

Beider Nerven liegen blank, die Trauer schlägt in Aggression um und schon geht mir auf die Nerven, dass all meine Sachen im Bad ständig weggeräumt werden, während ihre Parfüms in Reih und Glied stehen dürfen. „Wo ist denn das Thermometer fürs Badewasser, das muss da irgendwo sein. Alles räumst Du immer weg, damit Deine Parfums da stehen dürfen.“

Sie meint, es liegt am Esstisch, wo alles liegt, weil ich alles dorthin legen würde. „Das ist ja kein Esstisch mehr! Ich frage mich, wofür Du Dein Arbeitszimmer hast!“

So schnell kann’s gehen, und man ist angfressen aufeinander, wobei man sich eigentlich nur in den Armen liegen und kuscheln möchte. Das machen also Schreikinder mit den Nerven ihrer Eltern. Wir schaffen es trotzdem, gemeinsam glücklich über ein endlich schlafendes Kind schlafen zu gehen.

Heute morgen dann doch noch der Eklat.

„Ich kriege keine Milch mit der Pumpe raus, damit Du auch einmal den Buben stillen kannst.“
Sie macht das für mich, weil ich so traurig bin, dass ich ihr nicht helfen kann.
„Irgendwie muss es ja funktionieren. Vielleicht gehst Du einmal zu einer Stillgruppe, dort wird sicher irgendjemand wissen, wie Du damit umgehen musst oder was Du sonst noch brauchst.“
„Ich geh doch zu keiner Stillgruppe. Da sind doch nur die wunderlichen Frauen. “
„Super Vorurteil. Wenn alle so denken, bist für die anderen DU wunderlich. Eine Frau, die sich nicht helfen lassen will. Du verstehst nicht, dass mich das auch belastet. Ich kann auch einmal zu müde sein, Dir zu helfen, wenn ich von der Arbeit komme. Wenn Du nur auf mich ausgerichtet bist, und ich aber zu müde bin, um mich mit Dir zu beschäftigen, bringst Du mich unter Druck. Du musst unter die Leute.“

Hab ich toll gemacht, jetzt weint sie.
„Ich brauch Dich doch nur zum Kuscheln. Ich weiß, dass ICH da sein muss für den Kleinen. Aber Dich brauch ICH zum Festhalten.“
„Ich will Dich ja auch festhalten.“
Ich halte sie ganz fest.

Am Vormittag probieren wir noch mal die Pumpe. Sie war nur falsch zusammen gebaut. Jetzt kommt genug Milch raus.

Stolz bring mir CH. das Flascherl, als O.C. wieder zu schreien beginnt. „Da, nimm, ganz frisch, noch warm.“

Zum ersten mal füttere ich unser Kind, und er trinkt wie gewohnt, hastig und viel zu schnell.

Doch er wird satt und endlich ruhig. und er schläft sogar ein in meinem Arm. Glücklich lege ich ihn aufs Bett in der Hoffnung auf ein wenig Ruhe mit CH., als nach kurzer Zeit wieder die quengelnden Rufe ertönen. Ich laufe wieder hinein, hebe ihn hoch und es passiert: O.C. erbricht mir den gesamten Mageninhalt über den ganzen Rücken.

Schrei, Schrei, Schrei.

Irgendwie werden wir dem schon Herr werden.

Für heute bin erstmal glücklich, dass er von mir Milch angenommen hat.

Es ist trotzdem schön, endlich Vater zu sein. Es ist eine verdammt schöne Zeit!


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