Friedensstifter

Zuerst erschienen am Dienstag, 10.07.2007, 06:59 auf tomcool.mywoman.at

„Wenn er mal loslegt, wackeln die Wände!“, hatten schon die Kinderschwestern im AKH zum Arzt gesagt, um ihn anzutreiben, ein wenig schneller zu tun mit der Behandlung unseres O.C..

Und loslegen tut er des öfteren. Eigentlich täglich vor dem Einschlafen, denn das taugt ihm überhaupt nicht. Irgendetwas ist immer. Eines vorweg: unser O.C. ist keineswegs ein Schreikind. Wenn er schreit, hat das durchaus seine Gründe.

1.) O.C. hat Bauchweh
Das kommt vor. Dann ist der Bauch aufgebläht und O.C. schreit jämmerlich. Um Abhilfe zu verschaffen turne ich mit O.C., drück ihm vorsichtig die Beine an den Bauch und lasse so die Luft raus. Das funktioniert ganz gut. Ohne Mami geht aber trotzdem nichts, denn das viele Schreien macht natürlich hungrig. Und da kann ich leider noch nicht helfen.

2.) O.C. protestiert einfach so.
„Schlafen ist doch nur für kleine Kinder. Ich bin ja schon fast 4 Wochen alt. Da werd ich doch bis Mitternacht aufbleiben können. Und ich bin ja auch viel interessanter als Fernsehen!“
Hier Abhilfe zu verschaffen ist schon ein bisserl schwerer. Neuerdings steht Frau CH. auf strenge Sitten, springt auf, rennt ins Kinderzimmer, dreht das Licht auf und sagt resolut: „Du weißt aber schon, dass längst genug ist. Schlaf jetzt!“
Es ist eine kleine Überraschung für mich, als eine Minute später tatsächlich die große Stimme des kleinen Mannes versiegt.
„Der versteht jedes Wort!“ erklärt CH.
„Auch Ambiguitätstoleranz?“ frage ich und ernte große Augen, wobei ich froh sein muss, nicht gefragt zu werden, was denn das sei. Ich weiß es nämlich selber nicht.

3.) O.C. hat zu viel erlebt
Ein Besuch auf der Mariahilfer Straße, ein Familienfest mit mehr als 2 neuen Stimmen …, O.C. scheint sich schwer zu tun, seine Eindrücke ohne Schreien verarbeiten zu können. Hier gibt es anscheinend keine Abhilfe. Stundenlang schreit er alles nieder. Dabei hatten wir ihm vor dem Familienfest noch Plazentaglobuli D30 gegeben. Doch scheint man die am Vortag verabreichen zu müssen. Denn einen Tag darauf war er so relaxt, als wäre er auf Drogen.
Wir werden auch das ausprobieren.

Einen einzigen Vorteil hat die Schreierei aber auf jeden Fall: Neo und Mia, unsere beiden Katzen, ihres Zeichens Geschwister aus dem selben Wurf und früher ein Herz und eine Seele, sind seit Monaten böse zerstritten, kämpfen, kratzen, beißen, fauchen und verteidigen ihre Reviere. Niemals sind beide in einem Raum, und falls doch, dann nur unter extremer Anspannung und in Vorbereitung einer Attacke.

Doch wenn O.C. loslegt, wackeln nicht nur die Wände, sondern auch die Ohren der Katzen, die diese nicht zuhalten können. Und plötzlich sitzen beide gemeinsam auf der obersten Plattform des Kratzturms und schauen ums Eck, als ob sie sich Sorgen machen würden, was denn mit unserm Buben ist. Für ein paar Minuten ist aller Streit vergessen.

Ich werde O.C. wohl für den Tierfriedensnobelpreis vorschlagen. Die Chancen stehen sicher gut. Und spätestens dann ist bewiesen, was ich schon immer sage:
Es gibt Nichts, das nicht für irgendwas gut ist. Man muss halt nur wissen, wofür.

Es ist schön, Vater zu sein. Es ist eine verdammt schöne Zeit!


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