Dreh Dich auf die Seite, Mama!

Zuerst erschienen am Freitag, 15.06.2007, 06:55 auf tomcool.mywoman.at
Klarer Fall. Diesen Gesang kenne auch ich schon. „Gib mir was zu trinken!“, jodelt O.C. durchs Zimmer. „Milch bitte, körperwarm!“

Ich reiche den jungen Mann weiter. Ich habe jetzt 9 Monate lang die Mutter gut gefüttert, jetzt ist Pause für mich.

„Hilf mir doch bitte kurz und heb ihn etwas höher rauf. Das Umdrehen in die Seitenlage tut noch weh.“
„Aber gerne, klar doch.“

Hatte ich ja gestern auch schon gelernt, als CH ihre Hände wegen der Narkose noch kaum bewegen konnte. Bub hinlegen, Kopf hochhalten, Brustwarze in den Mund stecken, Schon feiert Schnappi, das Krokodil, fröhliche Urständ.

Die Größe der Augen, der stumme, kurze Aufschrei zeigen an, dass die Brustwarzen wohl nicht ausreichend abgehärtet sind für die kräftige Saugleistung des O. C..
„Ich hab Dir gesagt, das tut noch gar nicht wirklich weh, wenn ich an Deinen Brüsten nuckle. Ich wollte Dir eh beim Abhärten behilflich sein. Aber Du hast mir ja nicht vertraut.“

Stumm faucht CH zurück.

„Mist, schau Dir das an. Der Bub mag nur mehr in Seitenlage trinken. Der ist so bequem.“
O.C. quengelt schon wieder. Ich übersetze für CH, sie versteht ihn anscheinend noch nicht gut genug: „So schmeckt das nicht! Was ist denn das für ein Saftladen hier? Nicht mal richtige Gläser? Dreh Dich auf die Seite, Mama!“

CH starrt mich an. „Wie bitte? Gläser?“

„Schau, wenn Du auf der Seite liegst, rinnt die Milch ganz anders über Zunge und Gaumen. Da kommt der Geschmack erst so richtig zur Geltung. Stell Dir einfach vor, wenn Du am Rücken liegst, ist die Brust fürn Buam wie ein billiger Ikea-Tumbler mit Rollrand. Auf der Seite liegen macht Deine Brust zum Riedelglasl für Muttermilch.“

Fassungslos starrt mich CH an, schaut auf den quengelnden O.C. und beginnt sich auf die Seite zu drehen.

„Plock!“, kann ich’s regelrecht hören, als das Vacuum entsteht und O.C. sich ankuppelt. Und sein freudiges Schmatzen klingt, als ob er sagen möchte: „Warum nicht gleich in den guten Gläsern? “

Als Gourmet wirst halt geboren, das wird man nicht erst durch Erziehung.

Bei den Genen kein Wunder.


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